Kultur, Tüüfner Chopf
Andreas Bondts Herz schlägt für die Musik
Der 17-jährige Schreinerstift hat ein spezielles Hobby.
Mägi Walti
Wer im Dorfzentrum an der evangelischen Kirche vorbeigeht, wundert sich ab und zu, wer denn da ausserhalb eines Gottesdienstes so schön auf der Orgel spielt. Andreas Bondt ist einer jener jungen Leute, welche ihr Orgelspiel in der Freizeit verbessern und verfeinern möchten. Er ist 17 Jahre alt und steckt im 2. Lehrjahr bei der Schreinerei René Speck in Niederteufen. Einen Tag pro Woche besucht er die Berufsschule in Herisau, und kürzlich stand ein Kurs in der Holzfachschule Teufen auf seinem Ausbildungsprogramm.
Warum gerade Orgel…?
…war die Frage seiner Mutter, als er ihr anvertraute, dass er das Orgelspiel erlernen möchte. Er erzählt, dass in der 3. Sekundarklasse eine bestimmte Anzahl Gottesdienste besucht werden mussten, damit er konfirmiert werden konnte. Diese Kirchenbesuche weckten in ihm eine ganz grosse Faszination für die Orgel, und der Wunsch, dieses Instrument selber spielen zu können, wurde immer stärker. Andreas Bondt bat dann Wilfried Schnetzler, den ehemaligen Leiter der Musikschule Appenzeller Mittelland, ihn im Orgelspiel zu unterrichten. Auf dessen Zusage hin konnte er während eines Semesters vom grossen Können des Musiklehrers profitieren. Dass er vorgängig dank dem Unterricht bei Paul Grunder Klavierspielen gelernt hatte, erleichterte ihm den Einstieg sehr. Leider war es ihm nach Beginn seiner Lehre aus Zeitgründen nicht mehr möglich, die Musikstunden weiter zu besuchen, doch übt er in seiner Freizeit fleissig weiter und versucht, sein Orgelspiel zu verbessern. Nach Beendigung seiner Lehre wird sich weisen, wohin sein Weg ihn führen wird.
Orgelmusik gleich Kirchenmusik?
«Diese Aussage stimmt nicht», sagt Andreas, die Orgel sei ein sehr vielseitiges Instrument und man könne alles darauf spielen. Sein Repertoire umfasst natürlich die bekannten Klassiker, aber auch Ragtime und Boogie Woogie haben darin Platz, ebenso wie zum Beispiel «Appenzeller Tänzli» oder «Zäuerli». Er versucht sich an ganz verschiedenen Musikstücken, wobei die Kompositionen von Johann Sebastian Bach sicher die höchsten Anforderungen an den jungen Musiker stellen. Es freut ihn sehr, dass er oft zusammen mit Elke Hildebrandt aus St. Gallen musizieren kann. Sie ist in Teufen bestens bekannt als Mitwirkende an verschiedenen Anlässen. Im Gottesdienst übernimmt sie hin und wieder die Choräle, und Andreas darf dann das Zwischenspiel vortragen. Ein ganz besonderes Erlebnis war für ihn, als er an der Beerdigung seiner Grossmutter den Gottesdienst in der Friedhofkapelle in Herisau musikalisch begleiten durfte. «Das war ein sehr schönes Gefühl», erzählt er.
Die Königin der Instrumente
Andreas Bondt freut sich über jeden Besucher in der Kirche, und sein Gesicht strahlt vor Freude, wenn er das «Wunderwerk Orgel » jemandem erklären darf. Er schwärmt von den vielen verschiedenen Tonvarianten und Klangfarben, die mittels Register und Pedalen erzeugt werden können. Das Gespräch mit Andreas verrät seine grosse Leidenschaft für die Orgel – fast könnte man sagen, er ist ihr «mit Haut und Haaren verfallen.» Wer weiss, vielleicht darf er sich später einmal als Instrumentenbauer intensiver mit Orgel und Klavier beschäftigen. Als gelernter Schreiner bringt er beste Voraussetzungen für einen solchen Weg mit, denn viele Teile einer Orgel bestehen ja aus Holz, und ein gutes Gefühl für Musik wurde ihm offenbar in die Wiege gelegt.
Autor/in: Mägi Walti | 2. 12. 2011 | Keine Kommentare
Rubrik/en: Kultur, Tüüfner Chopf |








